Hedda Gabler
Henrik Ibsen / Schauspiel in vier Akten
Hedda Gabler ist eine schöne junge Frau und Admiralstochter aus gutem Hause. Sie hat viele Verehrer, die ihr die die Welt zu Füßen legen würden. Entschieden hat sie sich für den Kulturhistoriker Jörgen Tesman, der für sie sorgen möchte und gute Karriereaussichten mit sich bringt. Da sie sich „einfach müde getanzt“ hat, schließt sie dieses Eheband, welches ihr Sicherheit, Stabilität und Familie bescheren wird. Doch gerade erst von der sechsmonatigen Hochzeitsreise heimgekehrt, findet Hedda bereits alles fad und langweilig. Ihr Mann kann ihre ursprüngliche „Gier aufs Leben“ nicht befriedigen. Die Rolle als Hausfrau und Mutter will sie nicht füllen. Die Villa, die extra für sie erstanden und eingerichtet wurde, stellt kein zu Hause für die dar. Hedda findet keinen rechten Platz in ihrem Leben, sie findet nicht zu sich selbst, weiß nicht, wozu sie taugen sollte. Das wahrscheinlich einzige, wozu sie im Leben ein Talent hätte, sei „sich zu Tode zu langweilen“. Heddas unerfüllte Sehnsüchte, ihre Ängste, ihre Unfähigkeit ihr Leben mit einem Sinn zu füllen, finden kein Ventil. Sie steckt im selbst gewählten Konventionellen fest, weiß keinen Weg hinaus aus der Tristesse und scheitert an ihren eigenen Ansprüchen und Bedürfnissen. Ihre Langeweile entwickelt sich zu einem destruktiven Prozess. Die junge Frau droht, in der bürgerlichen Enge zu zerbersten. Sie findet nicht zu ihrer eigenen Freiheit und Natürlichkeit – und muss ganz im Sinne Jean-Jacques Rousseaus erkennen: „Der Mensch ist frei geboren, und liegt doch überall in Ketten.“ Was Hedda Gabler fehlt, ist der Mut zu einer eigenen Entscheidung, der Wille zur Tat. Dafür findet sie sich selbst zu feige. Anstatt zu leben und ihr eigenes Dasein selbst in die Hand zu nehmen, beginnt sie, ihre Mitmenschen zu manipulieren. Dadurch glaubt sie, frei zu sein und frei zu handeln. Doch ist sie es wirklich – eine freie, selbst bestimmte Persönlichkeit? „Der Mensch und sein Handeln ist zunächst frei, sofern und weil er willensfähig ist.“ heißt es weiter bei Rudolf Eislers Wörterbuch der philosophischen Begriffe von 1904. Doch was genau will Hedda eigentlich? Während sie unfähig bleibt, ihre eigenen Wünsche zu artikulieren und ihr Leiden zu artikulieren, wächst in ihr ein nach außen gerichteter Wille, den Nietzsche als „Wille zur Macht“ zusammenfasst. Da sie selbst nicht am Leben andocken kann, richten sich ihr Neid und ihr Hass auf alle, die es können. Denn nur einmal will sie „Macht über ein Menschenschicksal ausüben“ können“. Dieser Drang verwandelt ihre einstige Lebenslust in Wut und Zerstörungstrieb. Sie manövriert sich durch ihre Intrigen selbst ins Abseits und isoliert sich von ihren Mitmenschen. Diese Außenseiterrolle befeuert ihre Lust auf Grausamkeiten umso mehr, welche sich erst auf ihre Umwelt und schließlich gegen sich selbst richtet. Erst mit Zerstörung und Tod gelingt es ihr, „endlich eine Tat“ zu vollbringen und Spuren zu hinterlassen.
Henrik Ibsens 1890 entstandenes Stück zeichnet die Entwicklung einer Frau nach, der es nicht gelingt, sich selbst zu verwirklichen und stattdessen ihre Umwelt und sich selbst demontiert. Der Regisseur Sebastian Schug begibt sich in seiner Inszenierung gemeinsam mit seinem Team auf diese Suche nach einem Sinn des Lebens, die heute nicht weniger wichtig erscheint. Wenn unsere Arbeitswelt sowie die Organisation unseres Privatlebens uns so viel abverlangen, wir versuchen, der Wirklichkeit gerecht zu werden und wir entweder unsere Ziele suchen oder ihnen hinterher hetzen, scheint Heddas Problematik auch uns noch zu betreffen. In einer Gesellschaft, in der jeder sich selbst der nächste sein muss, um nicht unterzugehen, müssen wir uns immer noch fragen, wo unser persönlicher Platz ist im Chaos der vielen Möglichkeiten, Bedürfnisse und Wünschen.
Nach dem Erfolg von „Früchte des Nichts“ kehrt Sebastian Schug wieder an das Theater Bremen zurück und zeigt uns seine Sicht auf Ibsens Klassiker.
Sebastian Schug studierte Regie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin und erhielt 2005 für seine Abschlussinszenierung „Sobald fünf Jahre vergehen“ von Lorca den Preis für Junge Regisseure der Akademie der Darstellenden Künste. Seitdem inszeniert Sebastian Schug sehr erfolgreich und regelmäßig u. a. am Staatsschauspiel Hannover, am Staatstheater Kassel, am Schauspielhaus Wien und am Theater Heidelberg.
Henrik Ibsens 1890 entstandenes Stück zeichnet die Entwicklung einer Frau nach, der es nicht gelingt, sich selbst zu verwirklichen und stattdessen ihre Umwelt und sich selbst demontiert. Der Regisseur Sebastian Schug begibt sich in seiner Inszenierung gemeinsam mit seinem Team auf diese Suche nach einem Sinn des Lebens, die heute nicht weniger wichtig erscheint. Wenn unsere Arbeitswelt sowie die Organisation unseres Privatlebens uns so viel abverlangen, wir versuchen, der Wirklichkeit gerecht zu werden und wir entweder unsere Ziele suchen oder ihnen hinterher hetzen, scheint Heddas Problematik auch uns noch zu betreffen. In einer Gesellschaft, in der jeder sich selbst der nächste sein muss, um nicht unterzugehen, müssen wir uns immer noch fragen, wo unser persönlicher Platz ist im Chaos der vielen Möglichkeiten, Bedürfnisse und Wünschen.
Nach dem Erfolg von „Früchte des Nichts“ kehrt Sebastian Schug wieder an das Theater Bremen zurück und zeigt uns seine Sicht auf Ibsens Klassiker.
Sebastian Schug studierte Regie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin und erhielt 2005 für seine Abschlussinszenierung „Sobald fünf Jahre vergehen“ von Lorca den Preis für Junge Regisseure der Akademie der Darstellenden Künste. Seitdem inszeniert Sebastian Schug sehr erfolgreich und regelmäßig u. a. am Staatsschauspiel Hannover, am Staatstheater Kassel, am Schauspielhaus Wien und am Theater Heidelberg.


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