
Don Giovanni
Wolfgang Amadeus Mozart / Dramma giocoso in zwei Akten / In italienischer Sprache mit deutschen Untertiteln
Mittwoch, 10. Februar 2010, 19.30 Uhr
Theater am Goetheplatz
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Termine
Mozarts lustvoll dramatischer Oper „Don Giovanni“ verdankt das Publikum einige der schönsten und tief berührenden Arien des reifen Mozart.
Für E. T. A. Hoffmann war „Don Giovanni“ die „Oper aller Opern“, Kierkegaard bezeichnete sie als „Inkarnation der Genialität des Sinnlichen“. Und Brecht schrieb über das Meisterwerk: „Dieser Gipfel ist nie wieder erreicht worden.“
Wenn die Liebe ein Abenteuer ist, dann ist Don Giovanni der geborene Abenteurer – und doch führt ihn sein Weg in die Einsamkeit dessen, der vergeblich nach Erfüllung sucht. Zwischen den Frauen ist er ein vom Trieb Getriebener. Am Ende wird er vom toten Komtur heimgesucht, der ihn mit seiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert.
In Mozarts Musik spiegeln sich auf einzigartige Weise die Sehnsucht nach Liebe und die Enttäuschung, die Sucht nach Sieg und der Zweifel am Sinn des Gewinnens, Rachegefühle und Mitleid.
Andrea Moses, die in Bremen mit ihrer aufrüttelnden Interpretation von Mozart / Czernowins „Zaïde / Adama“ zur „Operninszenierung des Jahres“ und mit ihrer Meininger „Elektra“ für den renommierten „Faust“-Preis nominiert wurde, wird dieses großartige Werk in Szene setzen.
Inszenierung Andrea Moses
Ausstattung Christian Wiehle
Chöre Daniel Mayr
Don Ottavio Luis Olivares Sandoval
Masetto Alberto Albarrán
Hammerklavier Stefan Kozinski
Pressestimmen
Im Theater am Goetheplatz gibt es nach zehn Jahren einen neuen „Don Giovanni“. Andrea Moses hat die Mozart Oper jetzt in einer kurzweiligen, partiell musikalisch herausragenden Neufassung auf die Bühne gebracht. In der mit sehr starkem Beifall bedachten Premiere gefielen besonders Juan Orozco in der Titelrolle und die von Markus Poschner dirigierten Bremer Philharmoniker. (…)
Der neue Bremer „Don Giovanni“ ist in erster Linie ungewöhnlich kurzweilig, angenehm modern und wird von den Sängern virtuos realisiert. (…)
Die Bremer Kombination aus Zerlina (kampfsporterprobte Vertreterin der Unterschicht), Anna (sauer, weil Don Giovanni ihr nicht das gegeben hat, was sie wollte) und Elvira (furienhaft zwischen Liebe und Hass schwankende Gattin) ist selbst für Don Giovanni zu viel. Seine Kunst, die individuellen Sehnsüchte der Frauen anzusprechen, scheitert an dieser weiblichen Armada. In Sara Hershkowitz, Nadja Stefanoff und Nadine Lehner hat Andrea Moses eine perfekte Besetzung für diese Rollen (hin)bekommen. (…)
Fast uneingeschränkt überzeugen die Bremer Philharmoniker, die inzwischen die historische Aufführungspraxis beherrschen, obgleich man den Hörnern anmerken konnte, wie schwer die historischen Instrumente zu betätigen sind. Da schien fast keine Note nachlässig gespielt worden zu sein und das An- und Abschwellen der Töne zu einem spannungsvollen Musizieren – ausgeführt von drahtigen Streichern, markanten Holzbässen und scharfen, aber nie lärmenden Blechbläsern. GMD Markus Poschner fand das Gleichgewicht zwischen lyrischer Ruhe und dramatischer Rasanz, er hatte zudem die Sänger der Orchesterstilistik annähern können, was vielleicht noch wichtiger als der historische Klang ist. (…)
Was jedoch eine echte Prachtstimme ist, die ausgefeilt und geschmeidig geführt wird, konnte man bei George Stevens hören. Schon beim letzten Bremer „Don Giovanni“ vor zehn Jahren war er Leporello, nun ein umjubelter, höchst willkommener Gast. (…)
Nadja Stefanoff gelang (…) in jeder Hinsicht ein fulminanter Auftritt: Sie feuerte Elviras Rachegelüste gekonnt in einer herrlichen Intensität ab und überragte gesangsstilistisch das Ensemble.
Markus Wilks, Weser Kurier
In Andrea Moses’ kurzweilig-burlesker Inszenierung von Mozarts „Don Giovanni“ sind jetzt an der Bremer Oper die Frauen die treibende, erotische Kraft. Sie machen es dem Don leicht und entwickeln sich zu wahren Rache-Engeln, wenn sie ihn doch nicht halten können. (…)
An der coolen Miami-Vice-Ästhetik reibt sich die historische Aufführungspraxis, die GMD Markus Poschner mit den Bremer Philharmonikern par excellence zelebriert.
Sigrid Schuer, Die Welt
Ein Spiel, das vor allem die drei Frauen virtuos beherrschen. Und nötig haben. Donna Anna (Sara Hershkowitz), die mit Giovanni noch während der Ouvertüre aufs Zimmer und in Strapsen auf ihn los ging, muss sich schon was einfallen lassen, um nicht im Bett des ungeliebten Don Ottavio (Luis Olivares Sandoval) zu landen. Auch für die smarte Elvira (mit enormer Präsenz: Nadja Stefanoff) gehört der Rachefeldzug eher zum taffen Selbstbild. Und dass sich Zerlina am Ende wie beiläufig den Pelzmantel Giovannis überzieht und seinen Hut aufsetzt, ist durchaus kein Zufall. So grandios wie Nadine Lehner hier diese jung Frau stimmlich und mit Sexappeal vom Selbstbewusstsein ins Grenzenlose weitet, und nicht nur ihren Masetto (Alberto Albarrán) um den Finger wickelt, wird sie zur eigentlichen Gegenspielerin bzw. späten Erbin Giovannis. (…)
Seine faszinierende Stärke bezieht der Abend vor allem aus der ausgefeilten, stets aus der Musik erwachsenden oder mit ihr polemisierenden Personenführung, mit der das ausgewogen, hochkarätige Ensemble überzeugt. Markus Poschner und die Bremer Philharmoniker trugen mit zum Teil nachgebauten Instrumenten der Mozartzeit und einer Rezitativbegleitung am Hammerklavier einen quasi historisch aufgerauten, sinnlich forcierten Orchesterklang bei. Zufriedener Jubel in Bremen.
Joachim Lange, www.kultiversum.de
„Eine Fülle szenischer Gags sowie eine sanfte Prise Ironie durchziehen die brillante Inszenierung von Mozarts Oper „Don Giovanni“ von Andrea Moses. (…) Mit viel Tempo, gelungenen Tanzeinlagen und einem exquisiten Ensemble gelingen Moses dreieinviertel ebenso vergnügliche wie anregende Mozart-Stunden. Nadine Lehner singt die nicht ganz so unschuldige Zerlina mit schönster, nicht nur vokaler Erotik, Sara Hershkowitz gibt Donna Anna als traurige Traumfrau und Nadja Stefanoff gelingt als Elvira die perfekte Mischung: ein Rest Jungmädchencharme trifft auf das Wüten einer Rachegöttin. (…) Eine Sternstunde ist Leporellos Registerarie, hier läuft parallel zu George Stevens’ prächtigen mächtigen Statistikkoloraturen eine Art Powerpointpräsentation, die Giovannis globale Eroberungen bebildert.“
Jörn Florian Fuchs, Deutschlandfunk